Claas Relotius bestätigt Geständnis

Der Name Class Relotius verhallt schon wieder in der öffentlichen Wahrnehmung, kaum dass er bekannt wurde. Das ist sicher ein Verdienst der Spiegel-Leitung, hatte diese die Missetaten seines Autors doch nachdrücklich und schnellstmöglich aufgearbeitet.

 

Zur Übersicht genügen zwei Beiträge, damit sind die Geschehnisse vollumfänglich beschrieben: Juan Moreno hat seine Gedanken, Existenzängste und seine Heldenrolle in einem Interview geschildert. Schon am Vortag hatte Klaus Fichtner einen erschöpfenden Bericht vorgelegt. Diese Berichterstattung wurde inzwischen vielfach von anderen gespiegelt, diskutiert, bewertet. Kein Wunder, dass sich die Ereignisse nach dieser geradezu mustergültigen Aufarbeitung durch unsere rechtstaatliche und unabhängige Medienwelt bald nur noch als Fußnoten in Geschichtsbüchern wiederfinden werden.

 

Der aufmerksame Zeitgenosse dürfte jedoch bemerkt haben, dass noch eine Kleinigkeit getan werden könnte. Sicher nur eine Kleinigkeit, denn es kann ja ausgeschlossen werden, dass Moreno und Fichtner nicht vollständig und wahrheitsgemäß berichtet haben. Wieso sollten die Herren nun lügen, nachdem sie soeben den größten journalistischen Märchenerzähler aller Zeiten zur Strecke gebracht und geoutet haben? Das wäre absurd. Nur neurotische und verschwörungstheoretisch veranlagte Naturen könnten auf die Idee kommen, den Aussagen der Spiegel-Leitung zu misstrauen.

 

Also nur der Vollständigkeit halber, zur Abrundung, damit die Geschichtsbücher geschlossen werden können, es wäre doch schön, noch eine Bestätigung der Hauptfigur zu erhalten. Denn ein Kommentar von Relotius persönlich zu seinem Geständnis liegt bisher nicht vor. Wer würde also jetzt nicht gerne dem gefallenen Helden begegnen, mit ihm sprechen, und sei es nur, um ihm Mut zuzusprechen?

Was wurde aus Claas Relotius?

Claas Relotius hat bislang geschwiegen. Kollegen und Freunde versuchten vom ersten Tag an, ihn zu erreichen. Per Mail, per Telefon – ohne Erfolg. Ob zwei Tage nach seinem Verschwinden oder nun drei Wochen später: Keiner seiner alten Mitbewohner, Freunde und Kollegen kann (oder will) sagen, wo Claas Relotius ist und was er heute macht.

 

Es ist verständlich, dass er sich zurück gezogen hat, haben ihn die Ereignisse doch bis ins Mark erschüttert. Wie also könnte man ihn finden? Eine erste Anfrage bei Juan Moreno, der informiert sein dürfte, führt nicht weiter. Er antwortet nicht. Sicher ist er beschäftigt, vielleicht hat er die Mail einfach übersehen oder sie ist von der Computertechnik aussortiert worden und im digitalen Mülleimer gelandet.

 

Zum Glück wurde berichtet, dass die Kanzlei Unverzagt von Have sich bereit erklärt haben soll, Relotius in dieser schweren Zeit juristischen Beistand zu gewähren. Die Rolle der Verlagsleitung kann dabei kaum überschätzt werden. Sie soll der Kanzlei das Mandat vermittelt haben und übernimmt wohl sogar das Anwalthonorar. Welcher Arbeitgeber würde so weit gehen und einem Mitarbeiter, der die Firma schwer geschädigt hat, derart großzügig zu helfen? Offenbar ist der Begriff Fürsorgepflicht beim Spiegel mehr als eine Sprechblase.

 

Doch leider führen auch Anfragen an den Herrn Anwalt Michael Philippi nicht weiter. Zwei Mails und ein Brief, die hier am Seitenende einsehbar sind, sind bisher unbeantwortet. Aber das muss nichts heißen. Wer weiß, vielleicht ist ja nicht einmal Herr Philippi informiert. Es soll schon vorgekommen sein, dass Mandanten derart in Panik gerieten, dass sie jeglichen anwaltichen Rat in den Wind geschlagen und sich auf eigene Faust auf und davon gemacht haben.

 

Relotius muss also gesucht werden. Doch wo könnte er stecken? Ich bespreche mich mit Bert, Kumpel seit vielen Jahren und Fotograf, der ebenfalls interessiert ist und die Suche bildlich dokumentieren möchte. Er ist sicher an dem denkbar abgeschiedensten Ort dieser Welt, murmelt Bert. Doch welcher könnte das sein? "Ich habs", entfährt es Bert plötzlich. "Die Alpen sind derzeit ganz eingeschneit. Da kommt keiner mehr rein oder raus. Nirgends könnte er sicherer sein als in den Alpen!"

 

Natürlich, darauf hätte man auch sofort kommen können. Warum in die Ferne schweifen, etwa in Asien suchen, wenn er sich doch auch in den Alpen gut verstecken konnte? So wird ein Helikopter gechartert, der kurz darauf über den schneebeckten Wäldern und Gipfeln der Alpen schwebt.

Die Begegnung

Die Alpen sind in diesem Winter ein einzige weiße Pracht. Alle Pässe, die Zufahrtsstraßen in die höher gelegenen Täler sind gesperrt. Von oben betrachtet wirkt die Landschaft paradiesisch ruhig und abgeschieden. Wie geschaffen für einen kranken Menschen, der zur Besinnung kommen muss.

 

Als der Helikopter in Bereiche vordringt, die scheinbar noch nie von Menschen heimgesucht wurden, kommt eine einsame Hütte an einem Waldrand in Sicht. Sie scheint unbewohnt, doch ein Hinweis ist eindeutig: Um das Haus verläuft eine Spur, die nur menschliche Füße in den Schnee getreten haben können. Immer und immer wieder muss jemand das Haus umrundet haben, bis sich in dem hüfthohen Schnee eine tiefe Rinne gebildet hatte. Kein Zweifel, wir haben ihn gefunden.

 

Da der Helikopter im Tiefschnee nicht landen kann, seilen wir uns kurzerhand ab. Dann stapfen wir auf das Haus zu. Der Mann, den wir als Claas Relotius kennen, muss hier hausen. Das schmucklose Heim macht keineswegs einen abweisenden Eindruck. Nur die Geranien auf einem Balkon sind der Kälte zum Opfer gefallen und erfroren. Einen Klingelknopf gibt es nicht. Vorsichtig zunächst, dann immer heftiger, klopfen wir direkt an der Haustür.

 

"Claas?!"

 

Er öffnet die Tür, wir schauen uns an und schweigen einige Sekunden. Wir reden als Menschen mit einem Beschuldigten. Aber wir reden auch mit einem ehemaligen Journalisten. Er scheint zu spüren, dass wir in redlicher Mission unterwegs sind. Seine Mine hellt sich auf, er führt uns tatsächlich hinein in seine Herberge. Einzige Bedingung: er möchte sich nicht fotografieren lassen und wir sollten doch bitte seinen Aufenthaltsort nicht offenbaren. Selbstverständlich respektieren wir diesen Wunsch.

 

Claas Relotius, lange Hose, schwarzer Pullover, wirkt kräftiger als zuletzt. Er scheint schon auf dem Weg der Besserung zu sein. Die Sätze, die er sagt, sind so blumig geschliffen wie wir es gewohnt sind. Es gehe ihm recht gut, erklärt er in der wohligen Stube mit niedriger Decke. Wir setzen uns an einen massiven Holztisch. Die Vorräte reichten für den ganzen Winter. Allerdings gebe es kein Fernsehen, keinen Handyempfang, kein Internet, überhaupt keinen Strom. Und die Klospülung friere immer wieder ein.

 

"Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich mit dem ganzen Scheiß fertig werden soll", seufzt Claas. Wir nicken verständnisvoll, über Jahre hatte er seine Texte immer wieder phantasievoll ausgeschmückt. Dabei sind unzählige Seiten Text entstanden, die nun zu einer erdrückenden Last geworden sind. "Alle vier bis fünf Tage muss die Grube ausgeräumt werden", erläutert er. "Aber ich habe eine Schaufel und eine Spitzhacke, dann schmeiße ich den gefrorenen Mist einfach in den Wald."

 

Manchmal gehe er auch einfach stundenlang spazieren. Allerdings habe er oft noch das Gefühl, sich im Kreis zu drehen. Wir nicken voller Verständnis.

Krankhafter Fälschungswahn

Aber nun Hand aufs Herz, wagen wir zu fragen, wie ist das denn konkret gelaufen mit dem Geständnis. Wir wollen wissen, ob er bedroht worden ist, ob er unter Druck gesetzt wurde.

 

Nein, erklärt Claas, alle hätten sich phantastisch verhalten. Er sei so froh, derart tolle Chefs und Kollegen gehabt zu haben. Das wäre für immer in sein Gedächnis gestanzt. Auch mit Moreno sei er im reinen. Das sei ein feiner Kerl. Einfach ein vorbildicher Profi.

 

Es war klar, dass der Verlag ihn in Grund und Boden hätte verklagen können. Aber das sei nur kurz angedeutet worden, bevor er ein paar Blanko-Unterschriften geleistet habe. Zuletzt habe er die Mandatierung der Kanzlei Unverzagt von Have unterzeichnet. Diesen Anwalt Philippi habe er nie gesehen oder gesprochen, das sei auch nicht nötig. Das seien Profis, betont er, als wollte er sich in neuer Bescheidenheit künftig nie wieder mit unverdienten Titeln schmücken. Er sei auch froh, dass er sich nicht um diesen Rechtskram, wie er es nennt, kümmern müsse.

 

Dann wiederholt er den Satz, den Klaus Fichtner schon in seinem Bericht zitiert hatte: "Ich bin krank, und ich muss mir jetzt helfen lassen." Bert und ich werfen uns bedeutungsvoll scheinende Blicke zu. Tatsächlich, er hat es gesagt, wir können es beschwören. Nun haben wir diesen entscheidenden Satz mit eigenen Ohren aus dem Munde des notorischen Lügners gehört. Wir haben diese letzte Bestätigung erhalten. Dann ist also tatsächlich alles mit rechten Dingen zugegangen.

 

Claas Relotius hat aus freiem Willen alles eingestanden. Ein notorischer Lügner sei er allerdings nicht, merkt er an. Ein krankhafter Fälschungswahn habe ihn seit Jahren im Griff. Diese Bezeichnung kannte er bisher auch noch nicht. "Krankhafter Fälschungswahn" sei ein spezieller Fachbegriff für sein Leiden. Das wurde ihm erst auf dem Weg in sein fremd bestimmtes Exil erläutert.

 

Claas scheint erleichtert zu sein, wirkt plötzlich ganz aufgeräumt: "Wollt Ihr ein Bier?"

 

Wir seien der erste Besuch, seit er hier abgesetzt wurde. Mit verbundenen Augen habe man ihn hierher gebracht. Zu seiner Sicherheit, wie man ihm versicherte. Er wisse noch immer nicht, wo er hier sei. Den ersten Monat müsste er in absoluter Abgeschiedenheit verbringen, habe man ihm eingeschärft. Das sei wesentlich für seine Genesung. Wenn er in dieser Zeit die Gelegenheit hätte, andere Menschen zu belügen, könnte es leicht zu einem Rückfall kommen. Das sei wie bei Alkoholikern, die sich vom Alkohol fern halten müssten. Und mit einem Fälschungswahn müsse er sich eben von Menschen fern halten, dann wäre die Gefahr schädlicher Lügereien schon gebannt.

 

Für später hatte man ihm in Aussicht gestellt, gelegentlich einen Psychoanalytiker und vielleicht sogar Freunde von früher einfliegen zu lassen. Jedenfalls sei der erste Monat sehr wichtig für seine Genesung, wiederholt Class. Fast fühlen wir uns schuldig, durch unsere Anwesenheit diese Regel gebrochen zu haben.

I who have nothing

An das Gespräch sollte sich noch ein entspannter Nachmittag und Abend anschließen. Irgendwann war der Tisch voll gestellt mit leeren und halb vollen Bierflaschen. "Die Vorräte sind unendlich. Ich könnte hier eine fröhliche Hochzeitsgesellschaft verköstigen", witzelt Claas übermütig und prostet uns zu. Das schien tatsächlich machbar. Kurz zuvor hatten wir bei einer Führung durch das Haus über die Bestände im Keller gestaunt. Der war voll gestellt mit Kartons, Regalen voller Konserven und Getränkekisten. So als hätte niemand geplant, demnächst einen Therapeuten oder andere Besucher zu schicken. Die Vorräte reichten nicht nur für diesen Winter, vielleicht sogar für mehrere Jahre. Wahrscheinlich war Claas sogar bis zum Ablauf aller Verjährungsfristen versorgt.

 

Aber jetzt war kein guter Zeitpunkt, um nachdenklich zu werden. "Wenn es mir schlecht geht, dann singe ich. Das hilft", erklärte er nun, wohl schon ein wenig bierselig. "Wollt ihr mal hören?" Natürlich, das wollten wir uns nicht entgehen lassen, erst recht nicht, wenn es dem Heilungsprozess förderlich war.

 

"Tom Jones und Shirley Bassey?", lautete die nächste Frage auf die wir nur stirnrunzelnd antworten konnten. "Ein genderneutraler Song", erklärte Claas, "sozusagen unisex. Kann jeder singen. Ich möchte nie wieder lügen und auch niemanden benachteiligen." Also setzte er an:

 

I, I who have nothing

I, I who have no one

 

Seine Stimme veränderte sich völlig, sie klang plötzlich wohltuend voll, vielleicht noch ein wenig unsicher, aber nicht schlecht. Schon bei diesen ersten Zeilen wirkte er sehr authentisch.

 

Adore you and want you so

I'm just a no one with nothing to give you but, oh

I love you

 

Tatsächlich, da war dieser Welt vielleicht ein Sänger vorenthalten worden. Mit etwas Übung würde Claas das sicher noch besser hinbekommen.

 

He, he buys you diamonds

Bright, sparkling diamonds

But, believe me, dear, when I say

That he can give you the world but he'll never love you the way

 

Der zweiten Strophe fehlte dann doch das letzte Quentchen Überzeugungskraft. Bei "believe me" war es vorbei mit der Authentizität, bei "love you the way" geriet Claas mit der Bandbreite seiner Stimme an gewisse Grenzen. Man könnte auch sagen, seine Stimme versagte, sie zerschellte an der Wirklichkeit wie eine Friedenstaube an der plötzlich aufragenden Glasfront eines Wolkenkratzers und erstarb in einem Krächzlaut. Es war anrührend, beinahe komisch, wir applaudierten. Zwei Bierflaschen hämmerten auf den Tisch ein.

 

Die Dramaturgie war perfekt, ein guter Zeitpunkt Abschied zu nehmen. Fast hätten wir ihm Telefonnummern gegeben und gebeten, bei Gelegenheit doch einmal durchzurufen, doch er saß ja ohne Strom im Funkloch. Er hatte auch schon mein Angebot abgelehnt, ein Spendenkonto für ihn einzurichten. Gerne hätte ich die Gelder zunächst auf meinem Konto gehortet und dann weiter geleitet. Er wies das Angebot sichtlich dankbar, aber entschieden zurück.

 

Etwas hilflos stecken wir unsere schon gezückten Visitenkarten wieder ein. Fast wirkt es so, als schimmerten seine Augen feucht. Dann kommt auch schon unser Hubschrauber, zieht uns am Seil nach oben und überlässt Claas Relotius wieder seinem Genesungsprozess.

Schriftwechsel

Zur Dokumentation und Vollständigkeit werden hier noch die bisherigen Nachrichten an die Kanzlei Unverzagt von Have vorgelegt. Die Anfragen dürften sich jedoch nach den oben genannten Ausführungen von Claas Relotius persönlich erledigt haben.

 

Die Mails wurden an die Mail-Adresse von Michael Philippi gesendet. Der Brief wurde als Einschreiben an die Kanzlei adressiert. Die Nachrichten mit insgesamt vier Anlagen sind bisher unbeantwortet.

9.1.2019: Brief an Michael Philippi

Sehr geehrter Herr Philippi,

 

ich darf Ihnen hier nochmals eine Nachricht mit Bitte um Weiterleitung an Herrn Relotius zukommen lassen.

 

Wie schon vorgetragen halte ich den genannten Fichtner-Text vom 19.12.2018 für mehr als merkwürdig. Es kann nicht sein, dass Herr Relotius sich selbst offenbar einvernehmlich mit dem Spiegel als „krank“ diagnostiziert und damit diese Geschichte schon aufgearbeitet ist.

 

Niemand hat Relotius bisher als (psychisch) krank wahrgenommen. Er war offenbar nicht in Behandlung. Im Gegenteil, er hat stetig den Eindruck eines gesunden und sympathischen Menschen vermittelt. Weiter stellt sich die Frage, seit wann er angeblich krank sein soll. Er betrügt und fälscht seine Texte seit Jahren. Wann und wodurch soll er krank geworden sein? Wer kann das bestätigen? Welche Texte hat er unter dem Einfluss einer Krankheit erstellt und welche nicht? War er kontinuierlich krank oder leidet er gesundheitlich nur zeitweilig?

 

Wenn sich ein Fälscher und Betrüger so leicht selbst als krank hinstellen und dadurch der Konsequenzen seiner Handlungen entziehen könnte, dann würden das wohl viele machen. Dann könnten wir den Tatbestand des Betrugs aus dem Strafgesetzbuch streichen.

 

Nehmen wir als Beispiel Wolfgang Beltracchi. Er hat bekanntlich viele Jahre lang die Kunstwelt und Allgemeinheit mit gefälschten Unterschriften auf seinen Bildern getäuscht. Ist jemals jemand auf die Idee gekommen, Herr Beltracchi sei krank gewesen und deshalb nicht haftbar für die Folgen seines Handelns? Nein, natürlich nicht, Herr Beltracchi hat planmäßig, akribisch und langfristig gehandelt. Das sind keine Symptome einer Krankheit. Er ist verurteilt worden und hat seine Strafe verbüßt.

 

Bekanntlich ist auch Beltracchis Frau Helene als Mittäterin verurteilt worden, auch sie war nicht krank.

 

Die Fälle Beltracchi und Relotius sind also exakt vergleichbar. Beltracchi hat gemein­schaftlich mit seiner Frau gehandelt, Relotius hat die Allgemeinheit zusammen mit dem Spiegel-Verlag und weiteren Auftraggebern betrogen. Es gibt nur einen Unter­schied: Beltracchi hat Gemälde gefälscht, Relotius hat mit Texten betrogen. Warum soll nun der eine im Vergleich zu dem anderen glimpflich und ohne jede unabhängige Aufklärung davonkommen?

 

Die Antwort ist klar: Weil es die Spiegel-Leitung so will, weil es für den Spiegel-Verlag nützlich ist. Deshalb auch hat sich Relotius zurück gezogen, oder vielleicht sollte man besser sagen ist er zurück gezogen worden. Und Sie haben den Auftrag erhalten, ihn abzuschirmen, damit niemand nachfragen an ihn richten kann, und damit er nicht auf die Idee kommt, seinerseits Rechte geltend zu machen.

 

Zunächst muss ein Monat verstreichen, dann entfällt die notwendige Voraussetzung der Eilbe­dürftigkeit, Relotius kann dann keine Verfügung mehr gegen den Fichtner-Text erwirken. Das ist das erste Ziel. Nicht auszudenken, wenn er darauf kommen würde, gegen diesen Text und seine angeblichen Aussagen gerichtlich vorzugehen. Das wäre ja ein Schritt in Richtung tatsächlicher Offenheit, Ehrlichkeit und Aufklärung. Sozusagen ein Segen für die Allgemeinheit, aber eine Katastrophe für den Spiegel. Aber am 20.1.2019 wird diese erste und größte Gefahr für den Spiegel dank Ihrer Hilfe gebannt sein.

 

Man darf also gespannt sein, was geschehen wird, falls demnächst noch weitere „journalistische“ Serienfälscher auffliegen sollten. Ob die sich dann auch auf eine mysteriöse Erkrankung berufen werden? Vielleicht ist in Medienkreisen eine Epidemie ausgebrochen, die schon viele „Journalisten“ erfasst hat? Vielleicht sollte vorsorglich das Robert Koch-Institut alarmiert werden, damit eine mögliche Seuche eingedämmt werden kann?

7.1.2019: 2. Mail an Michael Philippi

Sehr geehrter Herr Philippi,

 

aktuell erfahre ich aus diesem Interview von Juan Moreno, dass der Spiegel-Verlag dafür gesorgt haben soll, dass Herr Relotius einen Anwalt und Therapeuten erhalten hat:

 

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=77977

 

Dazu darf ich anfragen, ob es richtig ist, dass Sie das Mandat über den Spiegel erhalten haben und der Spiegel auch Ihr Honorar übernimmt.

 

Weiter bitte ich um Bestätigung, dass Herr Relotius die unten stehende Nachricht vom 5.1.2018 erhalten hat.

 

Hier noch ergänzend die einstweilige Verfügung vom 22.2.2012 und das Urteil vom 27.5.2013, die nur mit Verweis auf die Indiskretion des Herrn Werle erwirkt worden sind. Den Entscheidungen können Sie entnehmen, dass ich nur deshalb verurteilt worden bin, weil ich die Redakteure Werle, Buchhorn, Ditz und Balzer informiert hatte. Inzwischen sind sogar drei Ordnungsgelder verhängt worden, nur weil ich weitere Journalisten, Anwälte und Abgeordnete informiert habe. Diese Geschichte ist absolut absurd, aber beim Spiegel interessiert das niemanden. Im Gegenteil, offensichtlich verfolgen die Verantwortlichen das konkrete Ziel, mich auf diese Weise dauerhaft zu schädigen und mundtot zu machen.

 

Ich bitte um Verständnis, dass ich diese Nachricht nochmals als Einschreiben senden müsste, falls ich bis morgen nichts weiter von Ihnen oder Herrn Relotius hören sollte.

5.1.2019: 1. Mail an Michael Philippi

Sehr geehrter Herr Philippi,

 

laut Medienberichten sind Sie anwaltlicher Vertreter des Herrn Relotius. Deshalb darf ich Sie anschreiben und um Weiterleitung dieser Nachricht an Herrn Relotius bitten.

 

Zunächst darf ich Bezug nehmen auf diesen ersten Bericht von Herrn Fichtner vom 19.12.2018:

 

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-claas-relotius-spiegel-legt-betrug-im-eigenen-haus-offen-a-1244579.html

 

Ich halte diesen Bericht sofort nach der “Enthüllung” für ungeheuerlich. Noch nie dürfte ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter derart in die Pfanne gehauen und an den Pranger gestellt haben. Den Leser und die Allgemeinheit dürfte auch interessieren, wie das Gespräch abgelaufen ist, in dem Herr Relotius seine Taten angeblich gestanden hat, sowie wer daran beteiligt war. Das wird leider nicht geschildert.

 

Insbesondere kann ich mir kaum vorstellen, dass Herr Relotius sich wie berichtet und zitiert geäußert haben soll. Es ist wohl ausgeschlossen, dass Herr Relotius gesagt hat “Ich bin krank, und ich muss mir jetzt helfen lassen” und dass er dieser Veröffentlichung zugestimmt hat. Damit wird er für alle Zeiten sehr schwer belastet.

 

Oder könnten Sie bestätigen, dass Herr Relotius dies so gesagt und einer entsprechenden Veröffentlichung zugestimmt hat? Wahrscheinlich sind Sie eher damit befasst, Unterlassungsansprüche gegen diesen Fichtner-Text geltend zu machen. Ich nehme doch an, dass Sie für Herrn Relotius gegen diesen für ihn vernichtenden Text eine einstweilige Verfügung erwirken werden.

 

Gerne kann ich weiteres zum Hintergrund mitteilen. Als Psychologe, Informatiker und Sachbuchautor werde ich seit 2011 juristisch angegriffen. Beteiligt ist auch der Spiegel, der eine Falschberichterstattung und eigenes Fehlverhalten vertuschen möchte. Dazu hat mich Klaus Werle, ein früherer Redakteur des Manager Magazins, als Hinweisgeber verraten. Ich hatte Herrn Werle am 20.1.2012 auf eine Veröffentlichung geantwortet und wichtige Beweise vorgelegt. Herr Werle hat meine Nachricht jedoch umgehend ohne meine Zustimmung weiter gegeben. Seitdem wird dieser Beleg gegen mich verwendet.

 

Dazu anliegend der Schriftwechsel, so wie gerichtlich vorgelegt. Der Schriftwechsel ist authentisch, insbesondere bin ich unstrittig der rechtmäßige Empfänger der Mail vom 28.4.2011.

 

So geht der Spiegel also mit unbequemen Hinweisgebern um: Man verrät sie und gibt Beweise heraus, damit die Hinweisgeber mit konstruierten Vorwürfen bearbeitet werden können. Dazu passt, dass die Verlagsleitung an keinerlei Aufklärung interessiert ist. Zuschriften meinerseits in dieser Sache werden grundsätzlich nicht beantwortet.

 

Bisher liegt nur ein einziger Kommentar der Spiegel Leitung vor. Herr Klusmann bezeichnete mich in einer Mail vom 26.4.2017 (Anlage) als “Wirren”. Die Nachricht war nicht für mich bestimmt, er hat sie wohl versehentlich als CC an mich gesendet.

 

Offenbar besteht beim Spiegel nicht nur in der Sache Relotius Aufklärungsbedarf. Wenn Herr Klusmann nun als Chefredakteur in der Sache Relotius genauso agieren wird wie in meinem Fall, dann ist das weitere absehbar: es wird nichts aufgeklärt, stattdessen wird der Spiegel alles tun, um die Schuld abzuwälzen und sich selbst in das beste Licht zu stellen.

 

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung. Es würde mich freuen, von Herrn Relotius zu hören oder zu lesen.

12.1.2019 / Letzte Änderung: 15.1.2019

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