Journalismus

Im Rahmen der Recherchen seit 2009 ist immer deutlicher geworden, dass es in Deutschland seit mindestens 2011 so gut wie keinen unabhängigen oder gar kritischen Journalismus über die erneuerbaren Energien und die "Energiewende" mehr gibt. Die Aussage klingt gewagt. Die Konsequenzen wären kaum abschätzbar. Auch deshalb darf natürlich eine Begründung verlangt werden.

 

Grundlage ist das seit 2009 aufgebaute Archiv über die Photovoltaik mit einigen tausend Dokumenten. Ab Februar 2014 sind verstärkt die Veröffentlichungen bestimmter Autoren und Fachmagazine recherchiert und untersucht worden.

 

Schwerpunkte waren bisher unter anderem die Magazine Neue Energie und Photon. Außerdem sind die Veröffentlichungen von etwa 25 Autoren verstärkt untersucht worden. Was ein Teil dieser Autoren zumeist "freien Journalisten" praktiziert, hat jedoch mit Journalismus nichts zu tun. Einige Autoren tarnen sich schlicht als Journalisten, um ihre Auftragsarbeiten möglichst breitflächig in der Medienlandschaft unterzubringen. Dabei wurden bestimmte Publikationen gezielt unterwandert oder de facto, wie etwa ÖKO-Test, als Marketingkanäle missbraucht.

Übersicht

Das nebenstehende Schaubild zeigt die wichtigsten Autoren und Zusammenhänge. Die Veröffentlichungen von Sascha Rentzing sind weitgehend untersucht. Zur Arbeitsweise weiterer Autoren wurden zunächst Zusammenfassungen veröffentlicht.
Das nebenstehende Schaubild zeigt die wichtigsten Autoren und Zusammenhänge. Die Veröffentlichungen von Sascha Rentzing sind weitgehend untersucht. Zur Arbeitsweise weiterer Autoren wurden zunächst Zusammenfassungen veröffentlicht.

Das Schaubild wird regelmäßig aktualisiert. Nachfolgend ist es als pdf-Datei mit Links zur bisher erstellten Dokumentation abrufbar.

Übersicht (Stand: 6 / 2017)
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Leitautoren

Die Veröffentlichungen bestimmter Autoren, die hier Leitautoren genannt werden, sind besonders auffällig. Fast alle dieser Autoren haben ursprünglich für die Tageszeitung taz geschrieben. Ralf Köpke hatte seine Laufbahn bei der taz wahrscheinlich 1987 begonnen. Gute Kontakte dieser Autoren bestanden auch zum Handelsblatt und zur Frankfurter Rundschau.

 

Wie hier ausgeführt, kann das Photovoltaik-Magazin Photon deshalb quasi als Ausgründung der taz bezeichnet werden. Ab 1996 bestimmten die Leitautoren auch die Berichterstattung in Neue Energie, dem Verbandsmagazin des Bundesverbands Windenergie (BWE).

 

Die genannten Autoren hatten Zugriff auf ein umfangreiches Mediennetz. Charakteristisch ist eine Methode zur Reproduktion von Texte, die wahrscheinlich von Ralf Köpke (mit-)entwickelt und an andere Autoren weitergegeben worden ist. Die reproduzierten Texte werden hier Plagiate oder Eigenplagiate genannt, da sie von Zweitveröffentlichungen, die heutzutage im Journalismus mehr oder weniger üblich sein mögen, zu unterscheiden sind.

 

Der Zweck war offensichtlich, die Verbreitung bestimmter Inhalte in den Medien zu erweitern. Fast alle Leitautoren haben von dieser Methode längerfristig und teilweise exzessiv Gebrauch gemacht.

 

Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Aufstellung der Leitautoren und einiger ihrer wichtigsten Auftraggeber.

 Leitautoren

Erstes

Plagiat(1)

Medien (Zeitraum der Zusammenarbeit, Anzahl Veröffentlichungen)

taz(2) HB(3)
FR(4) Pho(5) NE(6) ÖKO(7) FTD(8) E&M(9)
Ralf Köpke 1996 87-00   (50)  05-07     (>80)  
Andreas Lohse  

92-06

(>200)

    96-        
Anne Kreutzmann 1997 95-06      96-        
Jochen Siemer 2001 88-04     01-        
Dierk Jensen 1999 92-              
Michael Franken 1998 96-01              
Bernward Janzing 1998

96-

(>1200)

     98-        

Klaus Sieg

2002 96-07              

Sascha Rentzing

2006                

Ines Rutschmann

        07-12        
Jürgen Heup 2010                

Alle Angaben vorläufig. Die Aufstellung wird gelegentlich ergänzt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Grün markiert: der Autor / die Autorin war für die Zeitung / Zeitschrift tätig

Gelb markiert: der Autor / die Autorin schreibt auch aktuell noch für die Zeitung / Zeitschrift

 

(1) Jahr des bisher ersten vorliegenden Eigenplagiats

(2) taz / Zeo2

(3) Handelsblatt / VDI Nachrichten / Wirtschaftswoche

(4) Frankfurter Rundschau

(5) Photon / Haus & Energie

(6) Neue Energie

(7) ÖKO-Test

(8) Financial Times Deutschland

(9) Energie & Management

Kommerzielle Auftraggeber

Die Auswertung der Texte zeigt außerdem, dass zumindest einige der Autoren schon seit Jahren enge Geschäftsbeziehungen mit bestimmten kommerziellen Auftraggebern pflegen. Teilweise ist offensichtlich, dass die Autoren auch die Aufgabe hatten, die Namen und Ansprechpartner ihrer Auftraggeber möglichst häufig in Texten für die allgemeinen Medien unterzubringen.

 

Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über einige der Auftraggeber, die bestimmten Autoren zugeordnet werden können.

Autoren Kommerzielle Auftraggeber
Ralf Köpke WAB, BMU/IZES
Michael Franken  
Bernward Janzing Auswärtiges Amt, BmELV, Greenpeace Energy, Naturstrom, Reformhaus, RWE, Solar Promotion
Dierk Jensen BmELV, Deutsche Windtechnik, Deutsches Technikmuseum, Deutsche Messe, Enercon, WAB, Nordex, John Deere, OWP Butendiek, aerodyn, IHK Kiel, Denker & Wulf

Sascha Rentzing

Messe Düsseldorf, Messe Stuttgart, Deutsche Windtechnik, BWE, Sparkassen, Dekabank, Bauking
Jürgen Heup Messe Düsseldorf

Alle Angaben vorläufig. Die Aufstellung wird gelegentlich ergänzt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Erneuerbarer "Journalismus"

Eine seit 1996 verwendete Methode könnte man als "erneuerbare Textproduktion" bezeichnen. Dabei werden regelmäßig eigene und gelegentlich auch fremde Artikel abgeschrieben, vielfach manipuliert und erneut an anderer Stelle veröffentlicht.

 

Durch die Textmanipulationen sollten die Leser offenbar getäuscht und die Recherche der Originaltexte erschwert werden. Dabei wurden auch regelmäßig und vielfach wörtliche Zitate manipuliert. Es ist kaum vorstellbar, dass die Gesprächs- und Interviewpartner über die Mehrfachveröffentlichungen informiert wurden oder die Manipulationen gar autorisiert autorisiert haben.

 

Inzwischen liegen sogar fünf vollständig manipulierte Interviews vor. Es kann wohl sicher ausgeschlossen werden, dass die Interviewpartner von diesen Plagiaten wussten oder diese sogar autorisiert haben.

"Gigafabrik gegen den Ruin"

Im März 2014 ist zunächst ein Text von Sascha Rentzing über das "X-GW"-Fabrikkonzept des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) aufgefallen. Der Bericht "Gigafabrik gegen den Ruin" ist nach wie vor auf der Seite der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES) abrufbar.

 

Zum "X-GW"-Konzept wurde von den Fraunhofer-Instituten IPA und ISE eine Studie erstellt, die sich jedoch schon nach kurzer Durchsicht als mangelhaft erwies. Hier sei insbesondere auf einen Fehler hingewiesen, der als "Fundamentaler ISE-Fehler" bezeichnet werden kann.

 

Selbst für Laien ist leicht ersichtlich, dass eine derart konzipierte europäische Großfabrik für Solarmodule nicht erfolgreich sein würde und der Artikel von interessierter Seite veranlasst worden sein musste. Das bestätigte der Autor auf Anfrage in einer Mail am 7.3.2014:

 

Zitat: Hallo Herr [...], völlig richtig, was Sie sagen. Nur stehe ich auf der falschen Seite der Journaille, um solche Projekte vorzeitig ad absurdum zu schreiben. Ich habe die Studienergebnisse telefonisch mitgeteilt bekommen, da sie zum Zeitpunkt meines Artikels noch nicht offiziell vom ba-wü Umweltministerium verabschiedet war. Sorry, da kann ich Ihnen nichts schicken.

 

Leider schaffe ich es dieses Jahr auch nicht nach Bad Staffelstein. Vielleicht bietet sich bei anderer Gelegenheit die Chance eines Austauschs, etwa auf der Intersolar im Juni? (Sascha Rentzing, 7.3.2014)

Am 10.3.2014 wurde auf dieser Internetseite erstmals über den Artikel berichtet. Darauf rief Rentzing den Seitenbetreiber mehrfach an und äußerte wüste Beschimpfungen. Rentzing behauptete, dass der Artikel nicht im Internet verlinkt werden dürfte. In einer Mail forderte Rentzing ultimativ bis zum 14.3.2014 bestimmte Änderungen an dieser Internetseite. Schließlich drohte er unverhohlen und riet zur Abschaltung der Seite:

Zitat: Oder am besten: Melden Sie Ihre site ab. Sie wird Ihnen nichts als Ärger bringen! (Sascha Rentzing, 10.3.2014)

Diese Seite wurde jedoch weder abgeschaltet, noch wie verlangt geändert. Stattdessen schienen die dubiosen Vorgänge Grund genug, weitere Recherchen durchzuführen. Nach eigenen Angaben sah Rentzing das "X-GW"-Konzept selbst kritisch, wollte dies jedoch nicht öffentlich äußern. Was ist wohl von einem "freien" Journalisten zu halten, der sich selbst "auf der falschen Seite der Journaille" verortet und einem Fachmann die Abschaltung einer sachlichen Internetseite nahelegen möchte?

21.3.2014 / Letzte Änderung: 25.4.2017, 30.3.2017

Eine Ansage:

Typologie der PV-Module:

Typologie der Herstellungsverfahren für Solarmodule

Eine herzliche Bitte:

Fundamentaler Fehler:

Für Hinweisgeber:

Warnungen für Hinweisgeber

 Scheibenwischer: