Schrödingers Katze

Jeder hat schon einmal von Schrödingers Katze gehört. Damit ist kein bestimmtes Tier gemeint, sondern ein Gedankenexperiment der sogenannten neuen Physik. Schrödinger wollte die Erkenntnisse der Quantenmechanik anschaulich machen und auf unseren Alltag übertragen.

Offensichtlich orientieren wir uns bewusst oder unbewusst noch viel zu sehr am Newtonschen Weltbild. Demnach müsste alles planbar, kontrollierbar und berechenbar sein. Wie die Erfahrung immer wieder zeigt, stimmt das aber nicht. Wir alle sind mit diesem Modell schon vielfach gescheitert. Die Welt ist kein Billiardspiel, bei dem der Zusammenstoss der Kugeln vorausberechnet werden kann. Das Leben ist auch keine Partie Schach, bei der alle möglichen Züge genau festgelegt sind. Und wir alle mögen es nicht, uns wie die Räder in einem Getriebe als Getriebene zu fühlen.

 

Vielleicht sollten wir aufhören, immer wieder gegen dieselben Wände anzurennen und uns dabei nur blutige Schrammen zu holen. Offensichtlich verwenden ein unpassendes Modell für unsere Handlungen und geraten damit immer wieder in Schwierigkeiten. Was wäre naheliegender, als die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften ernst zu nehmen und über ein besseres Modell für unser Leben und unser Zusammenleben nachzudenken?

Leadership and the New Science

Die Managementwissenschaftlerin Margaret Wheatley hat genau das getan und beschreibt eindrucksvoll, wie ausgerechnet die neue Physik helfen könnte, übliche und alltägliche Fallstricke und Desaster zu vermeiden.

 

Die Realität entsteht erst durch unsere Aufmerksamkeit und unsere Beobachtungen. Richtiger noch müsste von Realitäten gesprochen werden. Meinungen, die nur allzu häufig aufeinander prallen, sind oft nur unterschiedliche Weltsichten, die jede für sich ihre Berechtigung haben.

 

Wheatley beschreibt ihr persönliches Aha-Erlebnis der Bedeutung von Schrödingers Katze für ein besseres Verständnis von Organisationen und Unternehmen wie folgt:

 

I have never understood the quantum logic of Schroedinger's cat, but I have let the problem ramble aimlessly in my consciousness, content to not engage with its counterintuitive nature. Yet just like a wave function, the possibilities of this idea grew unobserved until one day, in true quantum fashion, they "popped" and I had a moment of concrete recognition. I realized I had been living in a Schroedinger's cat world in every organization I had ever been in. Each of these organizations had myriad boxes, drawn in endless renderings of organizational charts. Within each of those boxes lay a "cat", a human being, laden with potential, whose fate was determined, always and irrevocably, by the act of observation. (Margarete J. Wheatley, Leadership and the New Science, Berrett Koehler, 1999)

 

Die Schlussfolgerungen sind weitreichend und mögen vielleicht beängstigend erscheinen. Aber ein erster wichtiger Schritt ist so offensichtlich wie leicht umsetzbar. Damit sich unsere Realitäten ändern, müssen wir hineinschauen in die Kisten mit den Katzen und in all die anderen Wundertüten unserer Welt. Wir sollten mit dem Angebot, dass dieses Universum für uns bereit hält, interagieren, damit sich neue Möglichkeiten erschließen. Dazu bedarf es unserer Aufmerksamkeit und unserer Wahrnehmungsfähigkeiten.

 

Bedenklich erscheint jedoch, dass gerade die menschliche Aufmerksamkeit eine recht begrenzte Ressource ist. Maschinen- und Computerkapazitäten können vervielfacht werden, daran besteht kein Mangel. Die menschliche Aufmerksamkeit scheint jedoch nicht zuletzt durch ein explosionsartig zunehmendes Angebot von "Informationen" immer mehr gestört zu werden.

 

Womöglich sind diese ureigenen menschlichen Ressourcen noch stärker gefährdet als unsere Umwelt. Gerade im Zusammenhang mit der Energiewende ist wohl darauf hinzuweisen, dass wir Menschen zum dauerhaften Überleben noch mehr brauchen als saubere Luft und klares Wasser. Wir brauchen außerdem unsere Neugierde und Aufmerksamkeit, damit wir über die Zukunft dieses Planeten wirkungsvoll nachdenken können. Es ist geradezu offensichtlich, dass dabei das angeblich rationale Newtonsche Weltmodell nicht nur unangemessen, sondern sehr hinderlich ist.

1.1.2014 / Letzte Änderung:

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