PVcomB CIGS-Workshops

Das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) hat 2008 die Arbeitsgruppe PVcomB gegründet und jährlich CIGS-Workshops veranstaltet, an denen auch die Firma Solibro teilgenommen hat. Das ist schon deshalb unverständlich, da das HZB angeblich exklusiver Forschungspartner des direkten Konkurrenten Soltecture (ehemals Sulfurcell) war. Das ist vielfach entsprechend verlautbart worden und unter anderem auf Datenblättern von Soltecture Modulen entsprechend vermerkt.

 

Unterlagen der Workshop-Teilnehmer wurden vom HZB außerdem im hauseigenen Intranet allen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt. Durch einen Fehler des HZB waren die Unterlagen des Workshops 2011 zeitweilig auch im Internet abrufbar. Dadurch ist ersichtlich geworden, dass die Teilnehmer der Workshops auch vertrauliche Unternehmensinformationen ausgetauscht haben.

 

Bis 2012 gehörte Solibro zur Firma Q-Cells. Mit zwei Schreiben vom 30.11.2011 und 31.3.2012 wurde Q-Cells unter anderem über die genannten Sachverhalte informiert. Die Schreiben sind bis jetzt jedoch unbeantwortet. Das ist völlig unverständlich, da Solibro und Q-Cells ein Interesse an den festgestellten Sachverhalten haben müssten und außerdem ein großes öffentliches Interesse besteht.

 

Es scheint daher angezeigt, nunmehr an dieser Stelle öffentlich über diese Sachverhalte zu berichten.

Solibro Workshop-Unterlagen 2011

Nachfolgend wird eine Zusammenfassung des Beitrags von Solibro zum CIGS-Workshop 2011 gegeben. Das Dokument enthält auch sensible Informationen, die üblicherweise als streng vertraulich zu betrachten sind. Diese Informationen werden hier natürlich nicht weiter gegeben.

CIGS Production and R & D at Solibro

Als Vertreter Solibros hat der Entwicklungsleiter Dirk Hermann am CIGS-Workshop 2011 teilgenommen und einen Vortrag über die Produktion und die Entwicklungsvorhaben Solibros gehalten. Allein dieser Vorgang ist mehr als erstaunlich. Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, dass sich schärfste Wettbewerber in einer Krisenphase unter dem Dach des Forschungspartners eines Konkurrenten treffen, um sich über ihre Entwicklungsleistungen und Pläne auszutauschen. Keine Firma, die tatsächlich an ihre Produkte und ihr Geschäftsmodell glaubt, würde an einer solchen Veranstaltung teilnehmen.

 

Jede Information über die Produktionsleistung oder die Entwicklungsaktivitäten kann für Konkurrenten nützlich sein. Der Wert bestimmter Informationen lässt sich im Vorfeld oft auch gar nicht absehen. Abgesehen davon, dass die Weitergabe sensibler Informationen ohnehin als Pflichtwidrigkeit anzusehen ist, sind Streitigkeiten vorprogrammiert, falls es beispielsweise später zu Patentanmeldungen kommen sollte. Grundsätzlich dürfte kein Geschäftsführer oder Hausjurist die Teilnahme von Mitarbeitern an einer solchen Veranstaltung genehmigen.

Informationen über die Produktion und die Entwicklungsaktivitäten

Die Präsentation enthält Fotos der Produktionsanlagen aller Herstellungsschritte. Derartige Unterlagen werden üblicherweise vertraulich behandelt, da Experten allein aus der Anordnung, Anzahl oder dem Fabrikat der Anlagen wichtige Schlussfolgerungen ziehen können.

 

Im weiteren werden detailliert Kennzahlen zur Inbetriebnahme der zu der Zeit neuen Fabrik Solibros mitgeteilt. Auch dabei handelt es sich um Informationen, die üblicherweise auf keinen Fall veröffentlicht werden dürfen. Es wäre undenkbar, dass Hersteller wie etwa Bosch, Apple, Samsung oder Siemens derartige Daten berichten oder sogar an Konkurrenten weiter geben.

 

Aus den in der Präsentation mitgeteilten statistischen Angaben und Häufigkeitsverteilungen können Fachleute weitreichende Schlussfolgerungen beispielsweise über die Stabilität, Leistungsfähigkeit und Konkurrenzfähigkeit von Herstellungsprozessen ableiten.

 

Solibro hat den Unterlagen zu Folge auch Angaben zu den Produktionskosten mitgeteilt, die grundsätzlich als Firmengeheimnisse einzustufen sind. Derartige Informationen würde keine Firma öffentlich mitteilen. Außerdem nannte Solibro Ansatzpunkte für die weitere Senkung der Herstellungskosten.

 

Mit weiteren Folien brüstete sich Solibro damit, auch in den Fachmedien als angeblich führender Hersteller von Dünnschichtsolarmodulen wahrgenommen zu werden. Entsprechend wurde auch auf Referenzanlagen und Daten von Feldversuchen verwiesen.

Efficiency Roadmap

Unter dem Stichwort "Efficiency Roadmap" gab Solibro mit der nebenstehenden Abbildung einen Ausblick auf die angeblich geplante weitere Steigerung der Wirkungsgrade.

 

Zunächst fällt auf, dass nicht die Modulwirkungsgrade dargestellt werden, sondern die sogenannten Wirkungsgrade bezogen auf die "Aperturfläche" (aperture area). Diese Daten sind nicht allgemein vergleichbar und fallen in der Regel deutlich höher aus als die Modulwirkungsgrade. In diesem Fall muss von den Zahlen etwa ein Prozentpunkt abgezogen werden, um auf die Modulwirkungsgrade zu kommen.

 

Demnach behauptete Solibro, Anfang 2011 einen mittleren Modulwirkungsgrad in der Produktion von etwa 11 Prozent und einen Maximalwert von 13,7 Prozent erreicht zu haben. Die Werte erscheinen unrealistisch hoch. Schwerer wiegt jedoch noch die sehr große Distanz zwischen dem Maximalwert und dem Durchschnittswert von 2,7 Prozentpunkten. Damit war von einer Prozessstreuung von über 5 Prozentpunkten auszugehen. Allein das ist ein starker Hinweis darauf, dass der von Solibro verwendete Prozess nicht ausreichend kontrollierbar ist und sich damit überhaupt nicht für den Einsatz in einer Serienfertigung eignet.

 

Dagegen fällt kaum noch ins Gewicht, dass der mitgeteilte Ausblick unrealistisch war. Angeblich sollte der mittlere Wirkungsgrad bis 2012 um 2,8 Prozentpunkte gesteigert werden. Noch unrealistischer ist die angeblich gleichzeitig angestrebte Verkleinerung der Streuung. Demnach sollte die Distanz zwischen Maximal- und Durchschnittswert 2015 bei nur noch 0,8 Prozentpunkten liegen.

 

Die dargestellte "Roadmap" kann insgesamt nur als unrealistisch und unseriös bezeichnet werden.

Informationen über Entwicklungsaktivitäten und Ansätze

Schließlich teilte Solibro den Konkurrenten Entwicklungsansätze für eine weitere Steigerung der Wirkungsgrade mit. Teilweise wurden die Angaben mit Grafiken und Fotos etwa von Thermografieaufnahmen unterlegt.

 

Offenbar sind die Grundlagen unternehmerischen Handelns nicht verstanden worden. Der Schutz des eigenen Know-Hows muss gerade für sogenannte innovative Firmen die höchste Priorität haben. Firmenwissen muss grundsätzlich entweder geheim gehalten oder durch Patente geschützt werden. Deshalb ist in keiner Weise nachvollziehbar, warum Konkurrenten in dieser Art und Weise informiert worden sind.

2.7.2013 / Letzte Änderung:

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