Plagiate und Zweitverwertungen

Auffälligstes Merkmal für die Art von Journalismus, um die es hier geht, ist die Reproduktion von Texten. Oft ist das Ziel offensichtlich die Verschleierung von wichtigen Informationen wie Auftraggebern, Ursprung oder das Alter der Inhalte. Eigentlich ist der Begriff "Journalismus" in diesen Fällen gar nicht angebracht. Ein seriöser Text würde nicht versuchen, den Leser zu täuschen oder Sachverhalte zu verschleiern. Das Ziel von Journalismus muss sein Transparenz zu schaffen und dem Leser die Grundlagen anzubieten, damit dieser sich eine eigene Meinung bilden kann.

 

Deshalb muss zwischen Zweitverwertungen, die im Journalismus heutzutage mehr oder weniger üblich sein mögen, und anderen Varianten der Reproduktion von Texten unterschieden werden. Diese anderen Varianten werden auf diesen Seiten als Plagiate oder Eigenplagiate und Fremdplagiate bezeichnet.

Zweitverwertungen

Zweitverwertungen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie den Leser wie jeder seriöse journalistische Text informieren wollen. Im besten Fall wird der Leser ausdrücklich auf die Erstveröffentlichung hingewiesen. Damit hat er die Möglichkeit, den Text richtig einzuordnen oder sogar die Erstveröffentlichung hinzuziehen.

 

Ein Beispiel für eine Zweitveröffentlichung, die als geradezu Lehrbuchhaft gelten kann, ist der Artikel Fabrik ohne Anschluss ans Stromnetz. Der Leser wird unübersehbar darauf hingewiesen, dass er die Wiederholung eines Berichts vor sich hat, der etwa ein halbes Jahr früher in der taz erschienen ist.

 

Akzeptabel erscheinen auch Zweitveröffentlichungen ohne ausdrücklichen Verweis auf den Originaltext, sofern der zeitliche Abstand nicht zu groß ist. Beispielhaft sei auf den Beitrag "Das verschleppte Problem" von Daniel Hautmann verwiesen, der zunächst von Technology Review und kurz darauf vom Spiegel veröffentlicht wurde. Spiegel Online verweist seine Leser zwar nicht auf den Originaltext, aber die Zweitverwertung wurde nur minimal bearbeitet und der zeitliche Abstand der Veröffentlichungen beträgt nicht einmal einen Monat.

 

Schließlich ist auch nichts gegen die leichte Bearbeitung von Texten oder gekürzte Zweitveröffentlichungen einzuwenden, sofern der Leser erkennen kann, dass er nur eine geraffte Version eines anderen Textes vor sich hat.

Plagiate / Eigenplagiate

Veröffentlichungen, die offensichtlich das Ziel verfolgen, ihre Leser, die Auftraggeber oder die Gesprächspartner des Autors zu täuschen oder den Rückschluss auf den Originaltext zu verhindern, sind von Zweitverwertungen abzugrenzen. Derartige Fälle werden auf diesen Seiten als Plagiate oder Eigenplagiate bezeichnet.

 

Zu den häufigsten Manipulationen zählen geänderte Titel, die Neuabfassung der Einleitungen oder Zusammenfassungen und Manipulationen im Text bis hin zu manipulierten wörtlichen Zitaten. In einigen Fällen wurden Zitate auch anderen Personen in den Mund gelegt. Die bisher festgestellten Techniken der Textbearbeitung scheinen teilweise charakteristisch zu sein und wurden offenbar auch übergreifend von mehreren Autoren verwendet. Das ist erstaunlich, denn derartige Techniken zur Reproduktion von Texten werden sicher an keiner Universität oder Journalistenschule gelehrt.

 

In mehreren Fällen ist auch festgestellt worden, dass in den Texten genannte Gesprächspartner des Autors nicht über die Existenz der Plagiate informiert waren. Offensichtlich sollten in diesen Fällen auch die Gesprächspartner getäuscht werden. In anderen Fällen ist kaum vorstellbar, dass die Auftraggeber der Originalveröffentlichungen tatsächlich die Weiterverwertung der Texte gestattet haben.

 

Zu den besonders eklatanten Fällen gehören offensichtliche Auftragsarbeiten, die mit öffentlichen Mitteln bezahlt wurden und später vielfach manipuliert als journalistische Werke wieder verwendet wurden. Inzwischen sind derartige Plagiate dokumentiert, die bis zu 90 Monate nach dem Originaltext veröffentlicht wurden.

 

Ein Beispiel ist der Artikel "Besitzen statt besetzen" von Thomas Veser, der ursprünglich im GIZ-Hausmagazin Akzente erschien und mehr als sieben Jahre später in vielfach manipulierter und gekürzter Form in Welternährung veröffentlicht wurde (Vergleich). Es ist auch nicht ersichtlich, dass der Autor zwischenzeitlich erneut im Senegal vor Ort gewesen wäre.

Fremdplagiate

Sofern ersichtlich ist, dass der Autor die Arbeit anderer Autoren genutzt und als seine Leistung dargestellt hat, wird hier von Fremdplagiaten gesprochen. Bei einigen Veröffentlichungen von Sascha Rentzing ist offensichtlich davon auszugehen, dass es sich dabei um Fremdplagiate handelt. Andere Texte Rentzings scheinen planmäßig unter anderen Autorennamen oder ohne Autorennennung veröffentlicht worden zu sein, um die Autorenschaft Rentzings zu verschleiern.

 

Ein klarer Fall eines Fremdplagiats von Klaus Sieg sei hier beispielhaft angeführt: Der Artikel "Kochen mit Pflanzenölkocher schont Lunge und Wald" ist offensichtlich eine Reproduktion des Berichts "Kochen ohne Rauch und Raubbau" von Michael Netzhammer (Vergleich).

25.4.2017 / Letzte Änderung:

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