Eicke Weber

Im Juli 2006 hat Eicke Weber als Nachfolger von Joachim Luther die Leitung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg übernommen. Der Physiker ist außerdem Inhaber des Lehrstuhls für Physik / Solarenergie an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität.

Befürworter der Siliziumphotovoltaik

Das ISE ist in vielen Bereichen der erneuerbaren Energien, angefangen von Konzentratortechnologien und Speichersystemen bis hin zur organischen Photovoltaik, aktiv. Weber ist jedoch offenbar kein Anhänger der Dünnschichtphotovoltaik, die auch nicht zu den Geschäftsfeldern des ISE zählt.

 

Hingegen ist Weber ein erklärter Befürworter der waferbasierten Siliziumphotovoltaik. Beispielsweise erklärte der Institutsleiter 2011:

 

Bis 2020 werden die c-Si und mc-Si PV Technologien den Markt dominieren (Eicke Weber, Wohin bewegen sich die Techniken der Photovoltaik?, 21.7.2011)

 

Erstaunlicherweise kooperiert das ISE dennoch mit Unternehmen des Dünnschichtsektors. Außerdem "zertifiziert" das ISE Laborergebnisse von Instituten, die sich auf die Dünnschichtphotovoltaik spezialisiert haben. Merkwürdig ist außerdem, dass das ISE den Chef-Lobbyisten Gerhard Stryi-Hipp 2009 in den Aufsichtsrat des erfolglosen Dünnschichtsolarmodulherstellers Soltecture entsand hat.

Verbindungen mit der Branchenlobby

Das ISE hat 2009 nicht nur die Position eines Cheflobbyisten geschaffen und mit Gerhard Stryi-Hipp besetzt, auch der Institutsleiter selbst versteht sich offenbar in erster Linie als Branchenvertreter und nicht als unabhängiger, seriöser Wissenschaftler

Anbindung an den Bundesverband Solarwirtschaft (BSW)

Es ist schlicht unbegreiflich und wohl ohne Beispiel, wie eng sich Weber als Wissenschaftler mit einer Branche und deren Lobbyisten verbündet hat. Weber betrachtet dies offenbar erstaunlicherweise sogar als notwendig, den Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) bezeichnet er als "Partner". Entsprechend äußert sich der Wissenschaftler auf der Internetseite des BSW:

 

Die enge Vernetzung der Wissenschaft in Deutschland mit der Solarindustrie schafft die Voraussetzungen für die schnelle Kostenreduzierung des Solarstroms hin zur vollen Wettberbsfähigkeit. Wir schätzen den BSW-Solar als wichtigen Partner bei der Umsetzung der Lösungen für morgen. (Eicke Weber auf der Internetseite des BSW)

 

Das ist jedoch nicht richtig. Als Branchenverband ist der BSW nicht an der Zukunft der Gesellschaft oder dem Gelingen der Energiewende interessiert. Stattdessen propagiert der BSW wie jeder Branchenverband praktisch jede Geschäftsidee, die Umsätze für seine Mitglieder verspricht.

 

Wichtige Voraussetzung für die schnelle und effiziente Umsetzung der Energiewende wären hingegen eine gegenseitige Kontrolle und eine unabhängige Wissenschaft. Aber gerade diese wichtige Position der Wissenschaft als unabhängige Stimme und Kontrollinstanz hat Weber durch die enge Anbindung an die Branche leichtfertig und zum Schaden der Allgemeinheit wie auch der Energiewende aufgegeben.

Gründungspräsident des Bundesverbands Energiespeicher (BVES)

Weber hat sein wissenschaftliches Institut jedoch nicht nur mit der Solarlobby vereinigt, mit dem Bundesverband Energiespeicher (BVES) hat er 2013 sogar selbst einen weiteren Branchenverband gegründet. Als Gründungspräsident des BVES propagiert Weber nun auch noch die öffentliche Förderung von Stromspeicherlösungen, die auch am ISE erforscht werden.

 

Aktuell berichtete das Magazin Photovoltaik über ein Gespräch internationaler "Speicherexperten" im Rahmen der Düsseldorfer Messe Energy Storage. Dort kritisierte Weber zusammen mit Branchenvertretern die Politik der Bundesregierung und wurde dabei auch von Volker Quaschning, einem weiteren Wissenschaftler von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin, unterstützt. Der Bericht über das Messegespräch dokumentiert wohl beispielhaft, dass sowohl Weber wie auch Quaschning keinerlei Interesse daran haben, als unabhängige Wissenschaftler eine ausgleichende Position zu Branchenlobbyisten einzunehmen.

Instrumentalisierung der Medien

Offenbar hat Weber auch schon längst gelernt, wie die Medien im eigenen Interesse instrumentalisiert werden können. Der Institutsleiter engagiert mit Sascha Rentzing seit 2008 regelmäßig einen freien Journalisten, der auch als Hofberichterstatter bezeichnet werden kann. Aktuell liegen fast 200 Berichte Rentzings vor, die in verschiedenen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht worden sind. In vielen Fällen wurde über Projekte von Fraunhofer-Instituten berichtet, das ISE war offenbar ein besonders treuer Auftraggeber Rentzings.

 

Interessanterweise hat sich auch Rentzing mit der Solarlobby solidarisch erklärt. Auf der Seite des BSW äußert sich der Journalist nur wenige Zeilen unter Weber positiv über den Branchenverband.

 

Seit etwa einem Jahr hat Rentzing außerdem sein Engagement für den Bereich der Energiespeichersysteme deutlich verstärkt. So war Rentzing zuletzt ein fleißiger Autor des Internetblogs Solar Energy Storage. Insgesamt liegen 15 Artikel vor, die Rentzing seit April 2013 zum Thema Batterien und Energiespeichersysteme verfasst hat. Es ist kaum überraschend, dass in diesen Artikeln wiederum mehrfach über Projekte des ISE und anderern Fraunhofer-Institute berichtet worden ist.

 

Zuletzt hat Rentzing auch über das X-GW Fabrikkonzept, wohl ein weiteres aktuelles Lieblingsthema Webers, berichtet. Nur ist es in dem Fall offenbar zu einer Art Betriebsunfall der bisher einträchtigen Zusammenarbeit gekommen. Einerseits veröffentlichte der Journalist sicher im Auftrag Webers im Dezember 2013 einen freundlichen Bericht über das Projekt. Andererseits folgte im Februar 2014 jedoch ein kritischer Bericht, der dem Projekt kaum Realisierungschancen einräumte. Offenbar war Rentzing von einem Gegner des X-GW Vorhabens zu diesem zweiten Bericht "animiert" worden und dem Journalisten ist nichts besseres eingefallen, als auch diesen Auftrag anzunehmen und damit dem ISE in den Rücken zu fallen.

Vorprogrammierte Fehlentwicklungen

Das Grundproblem scheint zu sein, dass Weber sich und sein Institut nicht als Teil der Energiewende betrachtet, sondern als bestimmenden Kopf. Entsprechend glaubt der Physiker, alle Fragen beantworten zu können, was beispielsweise deutlich mit dem ISE-Papier Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland zum Ausdruck kommt. Als Wissenschaftler müsste Weber jedoch wissen, dass niemand im Besitz einer gesamten und letzten Wahrheit ist und der aktuelle Stand immer nur als vorläufig zu betrachten ist. Es ist die Grundaufgabe der Wissenschaft danach zu streben, die aktuellen Wahrheiten immer wieder zu hinterfragen, zu testen, zu falsifizieren und durch "weiter entwickelte" Wahrheiten zu ersetzen.

 

Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, warum Weber glaubt, der Politik Vorgaben machen und diese kritisieren zu können. Er fordert für die vielfältigen ISE-Projekte immer weitere Mittel von der Politik. Tatsächlich verlangt er diese jedoch von der Allgemeinheit. Der Allgemeinheit wäre Weber als Wissenschaftler jedoch Unabhängigkeit schuldig, die er aber aufgegeben hat.

 

Und so schließt sich der Kreis. Das Ergebnis ist eine merkwürdige Art von Wissenschaft, die eine Branchenlobby instrumentalisiert und sich wiederum von dieser instrumentalisieren lässt. Es ist eine Wissenschaft entstanden, die Berater der Politik sein will, sich andererseits jedoch auch im Besitz der einzigen Wahrheit wähnt und deshalb die Politik bestimmen will.

 

Fehlentwicklungen werden dadurch nicht nur wahrscheinlich, sie sind vorprogrammiert. Das Desaster der Dünnschichttechnologien, das in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, ist wohl nur eines von mehreren Beispielen. Es wäre kein Wunder, sondern lediglich Ausdruck einer Fehlkonstruktion des Systems, wenn sich die aktuell propagierten Speichertechnologien demnächst ebenfalls als Flop erweisen würden.

 

Es wäre wirklich gut, wenn Eicke Weber sich entscheiden könnte, ob er Leiter eines wissenschaftlichen Instituts, ein Politikberater oder ein Lobbyist sein möchte. Es ist ausgeschlossen, dass diese Positionen sinnvoll in einer Person vereint sein können.

26.3.2014 / Letzte Änderung:

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