PHOTON Modulertragsmessungen

Die vergleichende Bewertung von Solarmodulen ist denkbar einfach. Solaranlagen dienen nur einem Zweck: sie sollen möglichst lange möglichst viel Strom produzieren. Das sieht man auch bei Photon so:

 

Solarmodule zu testen ist einfach. Bei Waschmaschinen, Autos oder Digitalkameras kommt es immer auf einen möglichst gelungenen Mix verschiedener Vorzüge an, bei Solarmodulen zählt eigentlich nur eines: die Stromproduktion. (PHOTON, Alles ist relativ, 2 / 2013).

 

Die Messung der Erträge ist dennoch nicht ganz trivial. Belastbare und vergleichende Aussagen sind nur möglich, wenn die Module unter realen Bedingungen am gleichen Standort in identischer Ausrichtung eine Zeit lang betrieben werden.

Photon Testmethode

Entsprechende Messungen werden von Photon schon seit längerer Zeit durchgeführt. Dazu sind die Module unterschiedlicher Hersteller auf einem Testfeld des Photon-Labors in Aachen installiert. Die Messung der Stromproduktion erfolgt sekündlich, gleichzeitig werden weitere Parameter wie die jeweils aktuelle Sonneneinstrahlung und Temperatur gemessen. Damit wird eine vergleichende Bewertung möglich, über die PHOTON in der Vergangenheit jährlich berichtet hat.

 

Zu beachten ist jedoch, dass die Testexemplare nicht wie etwa bei Stiftung Warentest von anonymen Einkäufern im Handel erworben werden, sondern von den Modulherstellern auf freiwilliger Basis an Photon übergeben werden. Die Methode ist einerseits herstellerfreundlich. Es ist sicher davon auszugehen und legitim, wenn ein Hersteller unter solchen Umständen Module zur Verfügung stellt, die die hauseigene Qualitätskontrolle mit besonders guten Werten absolviert haben.

 

Andererseits könnten Hersteller in die Versuchung geraten, die an PHOTON übergebenen Exemplare speziell zu präparieren. Beispielsweise könnte durch eine zusätzliche Kantenversiegelung versucht werden, die Dauerhaltbarkeit zu verbessern.

 

Durch die methodische Vorgehensweise sind Manipulationen vielfacher Art, die kaum nachweisbar sind, Tür und Tor geöffnet. Allein damit wird der Test in seiner Aussagekraft und Verlässlichkeit fast vollständig entwertet.

 

Es kann jedenfalls nicht davon ausgegangen werden, dass die Testexemplare als repräsentativ für die gesamte Produktion eines Herstellers zu betrachten sind.

Modulertragstest 2012

In der Ausgabe 2 / 2013 hat Photon die Ertragsstatistik des Jahres 2012 vorgelegt. Bewertet wurden nur Module, die im gesamten Jahr 2012 auf dem Testfeld betrieben wurden. Von diesen 156 Modultypen wurden jedoch 5 ausgeschlossen, bei denen angeblich "Unstimmigkeiten im Messablauf" aufgetreten waren, die sich angeblich "nicht zweifelsfrei klären ließen".

 

In dem Begleitartikel von Jochen Siemer wird jedoch nicht verraten, was damit genau gemeint sein sollte. Die Messungen werden automatisiert durchgeführt und per Computer verrechnet. Die Art der "Unstimmigkeiten im Messablauf" müsste also problemlos nachvollziehbar und etwa einem Fehlerprotokoll entnehmbar sein.

Keine CIS-Dünnschichtmodule in der Bewertung 2012

Der Anteil der Dünnschichtmodule im Feld der tatsächlich bewerteten 151 Modultypen ist verschwindend gering. Rang 14 belegt ein Dünnschichtsiliziummodul der Firma Nexpower (NT-125 AX) und erst auf Rang 131 folgt die Firma First Solar mit einem Cadmiumtellurid-Dünnschichtmodul (FS-265). Die Rangliste enthält kein einziges CIS-Dünnschichtsolarmodul.

 

Dieser eklatante und absolut ernüchternde Befund wird von PHOTON in dem Begleitartikel nicht einmal erwähnt. Immerhin hatten "Experten" schon für 2010 einen Dünnschichtanteil bis zu 30 Prozent am Gesamtmarkt vorhergesagt. Entsprechend müssten sich bis zu 45 Dünnschichtmodule im Testfeld der 151 bewerteten Kandidaten befinden.

 

Ein anderer Grund für die dürftige Beteiligung der Dünnschichthersteller liegt freilich auf der Hand: die Hersteller wussten wohl um die schlechte Qualität und unzureichende Dauerhaltbarkeit ihrer Produkte und haben deshalb keine Testexemplare an PHOTON übergeben.

Ausschluss von Solibro und Shell Solar

Unter den fünf Kandidaten, die Photon aufgrund von "Unstimmigkeiten im Messablauf" aus der Bewertung ausgeschlossen hat, befinden sich alle CIS-Dünnschichtmodule im Photon Testfeld. Die CIS-Module von Shell Solar und Solibro werden von Photon seit 2007 bzw. Februar 2011 getestet. Im Fall von Solibro war 2012 also das erste vollständige Betriebsjahr gewesen.

 

Es ist kaum durch einen schlichten Zufall zu erklären, dass zu den fünf ausgeschlossenen Modultypen ausgerechnet alle CIS-Dünnschichtmodule gehören.

 

Es scheint kein Zufall zu sein, dass ausgerechnet auch die Testexemplare von Solibro auffällig gewesen sind. In letzter Zeit haben sich Mitteilungen über Reklamationen und Qualitätsprobleme gehäuft. (8.1.2014)

Keine Messung der Degradation

PHOTON misst zwar die Erträge unter realen Bedingungen, was sicher interessant ist. Andererseits wurden die Modulleistungen unter Standardtestbedingungen nicht regelmäßig überprüft. Das ist sehr bedauerlich, zumal die Hersteller im Fall möglicher Garantieansprüche eine solche Testmessung verlangen. Derartige Messungen geben eindeutig Aufschluss über das Degradationsverhalten, also den Verlust der Leistungsfähigkeit im zeitlichen Verlauf, und könnten leicht vom hauseigenen Testlabor durchgeführt werden.

 

Somit ist eine Einschätzung des Degradationsverhaltens der Module im PHOTON Testfeld grundsätzlich nicht möglich. Zumindest hätten die aus der Wertung ausgeschlossenen Module durchgemessen werden müssen, um auszuschließen, dass die "Unstimmigkeiten im Messablauf" nicht vielleicht doch auf die Module selbst zurück zu führen waren.

Schlussfolgerungen

Allein die freiwillige Überreichung von Modulen durch die Hersteller an PHOTON ist als schwerwiegende methodische Einschränkung zu betrachten. Auf diese Weise können die Hersteller die Module auf besondere Art und Weise herstellen oder präparieren. Das Testfeld ist außerdem nur eine verzerrte Abbildung der tatsächlich im Markt angebotenen Module.

 

Die Aussagekraft der von PHOTON jährlich veröffentlichen Ertragsmessungen muss schon deshalb als gering betrachtet werden.

 

Es ist unverständlich, dass PHOTON keine regelmäßige Überprüfung der Modulleistungen unter Standardtestbedingungen durchführt. Eine derartige Überprüfung wäre sehr aufschlussreich und hätte insbesondere bei Modulen durchgeführt werden müssen, die in der jährlichen Ertragsbewertung ausgeschlossen wurden.

 

Vor dem Hintergrund der inzwischen offensichtlich gewordenen Machenschaften innerhalb der PHOTON-Gruppe, die unter anderem von PhotonWatch dokumentiert wurden, verliert die Statistik weiter an Glaubwürdigkeit und Aussagekraft.

 

Unberüht davon ist jedoch der sehr geringe Anteil an Dünnschichtsolarmodulen im Testfeld eklatant und aufschlussreich. Das ist sicher auch der PHOTON Redaktion aufgefallen. Dass darüber nicht berichtet wurde passt wiederum ins Bild eines Fachblatts, das sich regelmäßig gerade nicht durch unabhängige und objektive Berichterstattung ausgezeichnet hat. (8.1.2014)

30.5.2013 / Letzte Änderung: 8.1.2014

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