Industriekooperationen

Ursprünglich war geplant, dass PVcomB sich wesentlich durch Industriekooperationen selbst finanzieren sollte. In einer Pressemitteilung vom 13.2.2007 ist von acht Unternehmen die Rede, die angeblich mit PVcomB zusammen arbeiten wollten. Dabei handelte es sich offensichtlich um die Firmen Applied Materials, Avancis, Ersol Thin Film, Leybold Optics, Q-Cells, Schott Solar, Sulfurcell und Von Ardenne, wie aus einer Präsentation vom 2.7.2007 hervorgeht (Seite 11).

 

Mit der Initiative sollte den Unternehmen, die im scharfen internationalen Wettbewerb standen, offensichtlich geholfen werden, ihre Fertigungstechnologien weiter zu entwickeln und diese möglichst schnell in der Serienfertigung einzusetzen.

Übersicht

Tatsächlich wurden Kooperationen mit Applied Materials, Avancis, Ersol, Q-Cells, Schott Solar und Von Ardenne jedoch später nicht mehr erwähnt. Die mehrfach bestätigte Kooperation mit Sulfurcell wurde im Dezember 2011 sogar bestritten. Die Firma Leybold Optics wurde als Anlagenlieferant genannt.

Industriekooperationen 2010

Bernd Rech: Industrial support for PVcomB, 4.11.2010
Bernd Rech: Industrial support for PVcomB, 4.11.2010

Die nebenstehende Darstellung des HZB-Wissenschaftlers Bernd Rech vom November 2010 ist sehr bemerkenswert und erscheint nicht plausibel.  Insgesamt wurden hier 15 Industriebetriebe genannt, von denen PVcomB angeblich unterstützt worden ist. Ohnehin ist die Formulierung merkwürdig, da PVcomB die Industrie unterstützen sollte und nicht umgekehrt die Industrie die Aufgabe hatte, die Existenz des PVcomB zu sichern.

 

Gänzlich unverständlich ist, dass sogar die Firma First Solar erwähnt wurde, die mit ihrer Cadmiumtellurid-Technologie nicht zur Zielgruppe des PVcomB gehörte.

 

Die nebenstehende Folie gehört im übrigen auch zu einem Dokument, dass inzwischen aus dem Internet entfernt worden ist.

Industriekooperationen 2012

Rutger Schlatmann: PVcomB: a-Si Dünnschicht Technologieentwicklung, Oktober 2012
Rutger Schlatmann: PVcomB: a-Si Dünnschicht Technologieentwicklung, Oktober 2012

Anlässlich der Jahrestagung 2012 des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien (FVEE) nannte der PVcomB-Leiter Rutger Schlatmann wie nebenstehend ersichtlich mit Masdar PV nur einen einzigen Industriepartner namentlich.

 

Dagegen verwiesen die Forscherkollegen des ISFH SolarTeC auf 13 Kooperationspartner. In demselben Rahmen nannte das PV-TEC, ein Fachbereich des Fraunhofer-Instituts ISE, sogar eine Auswahl von 34 Industriepartnern.

 

Die entsprechenden Vortragsunterlagen gehören zu einer Gruppe von Dokumenten, die inzwischen von der FVEE-Homepage entfernt worden sind.

 

Die nebenstehende Darstellung dürfte ein realistisches Bild der damaligen Situation zeigen und bestätigt, dass die Finanzierung des PVcomB nicht sichergestellt werden konnte. Tatsächlich war es nicht zu den geplanten Kooperationen gekommen.

Angebliche Zusammenarbeit mit Centrotherm

Zu den ersten Aufgaben PVcomBs zählte die Einrichtung einer industrienahen Testlinie zur Entwicklung und Verbesserung sequentieller selenbasierter CIGSe-Technologien. Wichtigster Partner war die Firma Centrotherm, die zu der Zeit selbst an einer derartigen Technologie gearbeitet hat. Der Ansatz wurde von Centrotherm jedoch etwa 2010 aufgegeben.

 

Die Zusammenarbeit des PVcomB mit Centrotherm ist mehrfach belegt.

Centrotherm: Beitrag zum CIGSe-Workshop des PVcomB 2011
Centrotherm: Beitrag zum CIGSe-Workshop des PVcomB 2011

Centrotherm gehörte auch zu den Teilnehmern der vom PVcomB jährlich organisierten CIGSe-Workshops. Nebenstehend die Titelseite des vertraulichen Beitrags von Centrotherm des Jahres 2011. Die Workshop Unterlagen wurden vom HZB im Intranet allen Mitarbeitern verfügbar gemacht. Durch einen Fehler des HZB waren die Unterlagen zeitweilig auch im Internet abrufbar.

 

Die Kooperation wurde direkt nach dem Workshop mit einer Pressemitteilung vom 15.4.2011 ausdrücklich bestätigt:

 

Dr. Rutger Schlatmann, Direktor des PVcomB, erklärte bei der Kooperationsvereinbarung mit centrotherm photovoltaics: „Wir freuen uns mit einem so leistungsstarken Industriepartner zusammen zu arbeiten. Diese Anlagen entsprechen modernsten Industriestandards, und werden als Herzstück unserer CIGS-Referenzlinien zur Forschung und Entwicklung von PV-Modulen auf einer Größe von 30x30 cm² dienen.“ (PVcomB, Pressemitteilung, 15.4.2011)

 

Wie in der Mitteilung weiter ausgeführt wurde, betrachtete Centrotherm die Zusammenarbeit mit PVcomB angeblich als "strategische Partnerschaft", um den "Geschäftsbereich Dünnschichtmodul signifikant zu verstärken".

 

Das HZB, PVcomB und Centrotherm wurden auch im Rahmen des Projekts NeuMaS mit Bundesmitteln des BMBF gemeinsam gefördert.

Beendigung der Zusammenarbeit

Es stellt sich die Frage, was aus dieser angeblichen Kooperation mit Centrotherm geworden ist. Abgesehen von der genannten Ankündigung der Zusammenarbeit vom 15.4.2011 liegen keine weiteren Informationen dazu vor. Erstaunlicherweise ist Centrotherm auch schon vor einiger Zeit von der PVcomB-Liste der Kooperationspartner im Internet gestrichen worden.

 

Ganz offensichtlich ist die Zusammenarbeit beendet worden oder es ist erst gar nicht dazu gekommen. Aber warum wird dazu nichts berichtet? Wie soll Technologieentwicklung betrieben werden, wenn das "Herzstück" der Testlinie fehlt?

Lieferung der Selenisierungsanlage durch Smit Ovens

Statt diesbezüglich korrekt zu berichten, wurde die Allgemeinheit wohl auch hier an der Nase herumgeführt. Nur so kann interpretiert werden, was sich abgespielt hat. Am 1.1.2013 berichtete PVcomB nämlich in einer weiteren Mitteilung, dass der Lieferant der zentralen Anlage der CIGSe-Linie die niederländische Firma Smit Ovens sein sollte. Demnach hatte die Neuentwicklung wohl "zufällig" das Interesse PVcomBs geweckt:

 

Smit Ovens' newly developed active selenization systems get recognized by PVcomB. (PVcomB, 1.1.2013)

 

Das Geschäft kommentierte auch der PVcomB Gruppenleiter Niklas Papathanasiou:

 

“Experiments show that vapor phase reactors allow new pathways into highly efficient CIGS cell development.”, states Dr. Niklas Papathanasiou, manager CIGS development at PVcomB. “The active reactor design is the industrialized solution for our experiments”. (PVcomB, 1.1.2013)

 

Eine entsprechende Meldung, die hier abrufbar ist, veröffentlichte die Firma Smit Ovens am 1.2.2013.

 

Schließlich berichtete PVcomB am 24.7.2013 über den "spaktakulären Einbau" des Prozessofens. Damit war die Testlinie endlich sage und schreibe sieben Jahre nach den ersten Planungen und Abstimmungen 2006 mit dem BMBF einsatzbereit.

 

Diese haarsträubende Geschichte kann nur so gelesen werden, dass nach dem Ausfall des Anlagenlieferanten Centrotherm der Schein gewahrt werden sollte. Lieber vervollständigten die Verantwortlichen viel zu spät eine Testlinie, die niemand mehr benötigte, mit einem Ofen, der vielleicht noch gar nicht in Betrieb genommen wurde, als sich redlich, korrekt und anständig zu verhalten. (2.2.2014)

Zusammenarbeit mit Soltecture

Es ist klar, dass das HMI mit seiner Initiative die eigene Ausgründung und den angeblich exklusiven Industriepartner Soltecture unterstützen wollte. Entsprechend war wie oben ausgeführt eine Zusammenarbeit des PVcomB mit Soltecture schon 2007 geplant und mit dem BMBF abgestimmt.

Centrotherm: "Top Client Base - selection", November 2010
Centrotherm: "Top Client Base - selection", November 2010

Insgesamt liegen derzeit 24 Belege vor, die diese Zusammenarbeit bestätigen. Insbesondere sollte PVcomB Soltecture dabei unterstützen, in weiterer Kooperation mit der Firma Centrotherm eine sequentielle selenbasierte Dünnschichttechnologie zu entwickeln.

 

Wie nebenstehend abgebildet, verwies die Firma Centrotherm im Rahmen einer Investorenpräsentation im November 2010 auf die Zusammenarbeit mit dem "Top Client" Sulfurcell im Segment Dünnschichtmodul. Illustriert ist die Darstellung auch mit der Solarwand des Ferdinand-Braun-Instituts in Berlin Adlershof, die 2007 mit Modulen der Firma Sulfurcell errichtet worden ist (im Bild rechts oben).

 

Auch PVcomB äußerte sich mehrfach über die Zusammenarbeit mit Sulfurcell. Beispielsweise bestätigte der Leiter des PVcomB Schlatmann im Rahmen eines Interviews im April 2009 die Zusammenarbeit mit Soltecture (damals noch Sulfurcell) ausdrücklich:

 

"Wir haben außer mit Masdar PV zum Beispiel eine Kooperation mit der Sulfurcell GmbH."

 

Die Ausführungen Schlatmanns in dem Interview waren insgesamt konsistent mit anderen Informationen und plausibel. Es kann also kein Zweifel daran bestehen, dass Sulfurcell, Centrotherm und PVcomB mindestens bis 2010 gemeinsam an der Entwicklung einer sequentiellen selenbasierten CIS-Technologie gearbeitet haben.

Die Zusammenarbeit wird im Dezember 2011 bestritten

Das HZB ist ab Januar 2010 mit mehreren Eingaben auf verschiedene Sachverhalte und Widersprüche aufmerksam gemacht worden. Alle diese Schreiben blieben jedoch unbeantwortet.

 

Ab Januar 2011 sind auch einige Schreiben an den Leiter des PVcomB Rutger Schlatmann gerichtet worden. In einer ersten Antwort vom 10.2.2011 teilte Schlatmann lediglich mit:

 

Ich habe ihren Brief vom 10.1.2011 empfangen und mit Interesse gelesen. Nach sorgfältiger Prüfung kann ich ihre Ausführungen in keinem Fall bestätigen.

 

Diese schlichte Nachricht auf zahlreiche Belege und Ausführungen eines Sachverständigen hielt Schlatmann offenbar für ausreichend. Es stellt sich allerdings die Frage, warum Schlatmann alle mitgeteilten Informationen einfach abstritt und daraufhin zur Tagesordnung über ging. 

HZB: Schreiben vom 20.12.2011 (geschwärzt)
HZB: Schreiben vom 20.12.2011 (geschwärzt)

Noch erstaunlicher ist, dass Schlatmann die von Beginn an geplante, plausible und vielfach bestätigte Zusammenarbeit des PVcomB mit Soltecture im Dezember 2011 und damit kurz vor der Insolvenz der Firma ausdrücklich bestritt.

 

Die nebenstehende zweite Antwort auf weitere Ausführungen und Belege verfasste der PVcomB Leiter am 20.12.2011. Nunmehr bestritt Schlatmann plötzlich eine Zusammenarbeit des PVcomB mit Soltecture, die er schon im April 2009 wie weiter oben dargelegt ausdrücklich bestätigt hatte:

 

Es gab und gibt keine direkte Kooperation zwischen dem PVcomB und Soltecture. (Rutger Schlatmann, 20.12.2011)

 

Außerdem bestritt Schlatmann die Existenz einer Ko-Verdampfungstechnologie an seinem Institut. Derartiges war jedoch nie behauptet worden. Zahlreiche vorliegende Unterlagen belegen, dass PVcomB in Zusammenarbeit mit dem Anlagenhersteller Centrotherm eine sogenannte industrienahe Testlinie für sequentielle selenbasierte CIS-Dünnschichttechnologien aufgebaut hatte.

 

Schließlich glaubte der Wissenschaftler noch dem Hinweisgeber, der im allgemeinen Interesse und sachlich begründet bestimmte Ausführungen vorgetragen hatte, grundlos mit "gerichtlichen Schritten" drohen zu müssen.

Die aktuelle Darlegung der PVcomB-Leitung ist unglaubwürdig

Abgesehen davon, dass die vorliegenden Belege eine eindeutige Sprache sprechen, ist die aktuelle durch den Leiter des PVcomB vorgetragene Darstellung der Sachverhalte absurd. Es ist undenkbar, dass das HMI 2006 als exklusiver Forschungspartner Soltectures eine Initiative ins Leben gerufen hatte, um Konkurrenten der eigenen Ausgründung zu unterstützen.

 

Ein derartiges Vorhaben wäre irrsinnig gewesen und hätte auch sofort die Gesellschafter Soltectures auf den Plan gerufen. Es ist ausgeschlossen, dass in einer Branche schärfster Konkurrenz ein Forschungsinstitut eine Ausgründung vornimmt und gleichzeitig direkte Konkurrenten, nicht jedoch die eigene Ausgründung, unterstützt.

 

Entsprechend haben auch Vertreter Soltectures bis zur Insolvenz an den vom PVcomB organisierten jährlichen Workshops teilgenommen.

 

Eine tatsächliche organisatorische Trennung zwischen PVcomB und dem HZB hat es ohnehin nicht gegeben. Das ist schon dadurch belegt, dass PVcomB die Unterlagen der Teilnehmer der jährlichen Workshops im HZB-Intranet allen Mitarbeitern des HZB zur Verfügung gestellt hat.

14.6.2013 / Letzte Änderung: 2.2.2014

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