Vertriebspartner der Soltecture GmbH

Ürsprünglich sah das Geschäftsmodell Soltectures vor, ohne eigenen Vertrieb auszukommen. Es existierten Abnahmevereinbarungen mit Großhändlern, die die gesamte Ware abnehmen sollten. Bis 2010 verweigerten die Vertriebspartner jedoch die bis Ende 2012 vereinbarte Abnahme der Ware. Damit war Soltecture gezwungen, eine eigene Vertriebsabteilung aufzubauen. Wie der Insolvenzverwalter Hartwig Albers inzwischen berichtete, waren zum Zeitpunkt der Insolvenzantragstellung 13 Mitarbeiter dem Bereich Vertrieb und Marketing zugeordnet.

Imagebroschüre 2009

Imagebroschüre Sulfurcell 2009, Seite 26
Imagebroschüre Sulfurcell 2009, Seite 26

In der ersten Version einer Imagebroschüre, die Soltecture 2009 aufgelegt hatte, warben die Vertriebspartner IBC Solar, Krannich Solar und Energiebau Solarstromsysteme für den Dünnschichtsolarmodulhersteller. Nebenstehend die Seite 26 der Broschüre, auf der die drei Firmen vorgestellt wurden.

 

Bis etwa 2010 wurden tatsächlich alle oder fast alle Module über Vertriebspartner verkauft. Bis dahin verfügte Soltecture über keinen eigenen Vertrieb. Dies wird auch in der Imagebroschüre entsprechend dargelegt:

 

Dieses Vertrauen ist die Grundlage der langfristigen Vertriebsverträge, die Sulfurcell mit seinen Fachhändlern abgeschlossen hat.

 

Die Vertriebspartner waren auch über die Qualität der Solarmodule im Bilde. Das wird auf der hier abgebildeten Seite ausdrücklich bestätigt:

 

Sie [die Vertriebspartner] begleiten unsere Produktentwicklung konstruktiv und kritisch und achten ihrerseits darauf, dass Sulfurcell seinem hohen Qualitätsanspruch stets gerecht wird.

 

Im Rahmen der Untersuchung hat sich bestätigt, dass die Vertriebspartner über die mangelhafte Qualität der Module informiert waren. Wie in der Imagebroschüre dargelegt, haben die Vertriebspartner auch auf die festgestellten Mängel reagiert, unter anderem indem sie den Abnahmeverpflichtungen nicht mehr nachgekommen sind. Bis etwa 2010 wurden die meisten Vertriebspartnerschaften aufgelöst. Auch IBC, Krannich und Energiebau kamen dann nicht mehr den eigentlich vereinbarten Abnahmeverpflichtungen nach.

 

In weiteren Versionen der Imagebroschüre ab 2010 wurden die nebenstehende Seite und weitere Hinweise auf die Zusammenarbeit mit IBC Solar, Krannich Solar und Energiebau Solarstromsysteme entfernt.

 

Nachfolgend eine Aufstellung von Vertriebspartnern, mit denen Soltecture zusammengearbeitet hat.

Axitec

Axitec Datenblatt 2006 (Seite 2)
Axitec Datenblatt 2006 (Seite 2)

Die Axitec GmbH gehörte zu den frühen Vertriebskanälen Soltectures. Nebenstehende zweite Seite eines Datenblatts aus dem Jahr 2006 veranschaulicht, dass Axitec die Berliner Module unter eigenem Namen vertrieben hat. Axitec sicherte die übliche Leistungsgarantie über 20 Jahre zu. Die Module verfügten nur über eine sehr geringe Leistung von 42 bis 55 Watt und wurden von Axitec auch über die Firma Krannich Solar vertrieben.

 

Axitec gehört zu den Firmen, denen 2011 von der Fachzeitschrift Photon und der Journalistin Ines Rutschmann geholfen wurde, Forderungen gegen Soltecture durchzusetzen. Wahrscheinlich sind alle Kunden AXITECs entschädigt worden. Inzwischen möchte AXITEC allerdings jegliche Berichterstattung über diese Vorgänge verbieten. Den Forderungen AXITECs kann jedoch nicht entsprochen werden. Weiteres dazu wird hier berichtet.

Blitzstrom

Nach vorliegenden Unterlagen war die Blitzstrom GmbH ein früher Vertriebspartner Soltectures. 2011 fusionierte Blitzstrom mit anderen Partnern zur Belectric Trading GmbH.

ebay

Im August 2013 wurden auf der Internethandelsplattform ebay originalverpackte Module als Neuware angeboten. Dabei handelte es sich hauptsächlich um ungerahmte Module der Leistungsklasse 57,5 Watt. Derartige Module hatte Soltecture schon 2006 hergestellt. Schon damals waren derart leistungsschwache und kleine Module nicht konkurrenzfähig.

Energiebau Solarstromsysteme

Auf der Seite der Energiebau Solarstromsysteme GmbH sind nach wie vor einige Vertriebsunterlagen für Sulfurcell Produkte abrufbar. Darunter findet sich ein Papier, das die Produkt- und Leistungsgewährleistung für Sulfurcell Module beschreibt (Stand: November 2005).

 

Nach wie vor abrufbar ist zum Beispiel auch eine Information über Solarmodule zur Dachintegration vom Oktober 2010, mit denen Energiebau für Sulfurcell Module geworben hat.

Imagebroschüre Sulfurcell 2009: Energiebau Solarstromsysteme
Imagebroschüre Sulfurcell 2009: Energiebau Solarstromsysteme

Der Geschäftsführer Michael Schäfer bescheinigte den Solarmodulen Soltectures 2009 in einer ersten Ausgabe einer Imagebroschüre unter anderem "dauerhafte Effizienz" und "Langlebigkeit". In weiteren Ausgaben der Broschüre war die Aussage des Vertriebspartners nicht mehr enthalten. Es ist davon auszugehen, dass die Vertriebspartnerschaft zwischen Soltecture und Energiebau Solarstromsysteme bis spätestens 2010 gelöst worden ist.

 

Mit drei Schreiben ab 15.7.2011 wurde Energiebau über verschiedene Sachverhalte informiert. In einem Telefonat im August 2011 erklärte der Geschäftsführer Schäfer, gerne zu einem Gespräch mit Fachjournalisten bereit zu sein, allerdings lehnte er jeglichen Kontakt mit der Fachzeitschrift Photon kategorisch ab. Insofern ist davon auszugehen, dass Energiebau und deren Kunden nicht zu den Betroffenen gehören, denen Photon 2011 zu Entschädigungsleistungen verholfen hat.

Goldbeck Solar

Joachim Goldbeck, Gründer und Leiter der Goldbeck Solar GmbH, ist gleichzeitig Gründungsgesellschafter Soltectures. Entsprechend ist naheliegend, dass Goldbeck Solar als Vertriebspartner für Soltecture tätig war.

 

Goldbeck Solar hat auch mehrere Referenzanlagen für Soltecture errichtet, die auf der Goldbeck-Homepage und auf der Soltecture Homepage vorgestellt werden. Dabei handelt es sich um eine 2006 errichtete Fassadenanlage für die Firma Miehlen im Taunus und die 2009 errichteten Fassaden- und Dachanlagen des neuen Soltecture Firmensitzes.

 

Es ist davon auszugehen, dass Joachim Goldbeck als Gesellschafter Soltectures bestens über die Firma und die Qualitätsmängel der Solarmodule informiert war. Deshalb ist insbesondere unverständlich, warum die Firma Goldbeck die Verantwortung für die Verwendung der Module für den Neubau Soltectures übernommen hat.

IBC Solar

IBC Datenblatt Juni 2006 (Seite 1)
IBC Datenblatt Juni 2006 (Seite 1)

Die IBC Solar AG zählte zu den ersten Vertriebspartnern Soltectures. Eine Pressemitteilung aus dem Jahr 2006, mit der die Zusammenarbeit bekannt gegeben wurde, ist noch auf der IBC Homepage abrufbar.

 

Im Juli 2013 bestätigte der ehemalige Geschäftsführer Soltectures Meyer in einem Interview die Partnerschaft mit IBC Solar "auch in der Entwicklung der Produkte".

 

Es liegen IBC Datenblätter für Sulfurcell Module von Juni 2006 bis Januar 2010 vor. Nebenstehend die erste Seite eines Datenblatts vom Juni 2006. Demnach wurden die Module in drei Leistungsklassen von nur 42 bis 52 Watt angeboten. Es ist weiter ersichtlich, dass schon von Beginn an eine 20jährige Leistungsgarantie gegeben wurde.

 

Einige IBC Vertriebsunterlagen für Sulfurcell Produkte sind nach wie vor im Internet abrufbar. Hier ein Datenblatt vom Juli 2008, das Modulleistungen von nach wie vor mageren 52,5 bis 60 Watt ausweist.

Imagebroschüre Sulfurcell 2009: IBC Solar
Imagebroschüre Sulfurcell 2009: IBC Solar

Udo Möhrstedt, Vorstandsvorsitzender der IBC Solar AG, äußerte sich 2009 in einer ersten Ausgabe einer Imagebroschüre Sulfurcells wie nebenstehend abgebildet ausgesprochen positiv über den Solarmodulhersteller. In weiteren Ausgaben der Broschüre war die Aussage des damaligen Vertriebspartners nicht mehr enthalten. Es ist davon auszugehen, dass die Vertriebspartnerschaft zwischen Soltecture und IBC Solar spätestens 2010 beendet worden ist.

 

Inzwischen ist bekannt geworden, dass IBC Solar erhebliche Probleme mit Reklamationen haben muss. Am 19.10.2012 ist ein erheblicher Betrag als Reklamationsforderung beim Insolvenzverwalter Soltectures angemeldet worden.

 

IBC Solar wurde am 15.7.2011 angeschrieben und um Beantwortung einiger Fragen gebeten. Am 18.5.2013 wurde auf diese Internetseite hingewiesen. Beide Briefe wurden nicht beantwortet.

Juwi

Die Juwi Holding AG hat 2008 ihr neues Betriebsgebäude auch mit Solaranlagen Sulfurcells ausgestattet. Juwi bezeichnete seinen Firmensitze als "energieeffizientestes Bürogebäude der Welt". In einer gleichnamigen Broschüre wird das Gebäude auch "Effizienzwunder" genannt. Auf Seite 13 werden die Anlagen Sulfurcells mit einer Gesamtleistung von angeblich 24 KW beschrieben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese Anlagen inzwischen nur noch eine sehr geringe Leistungen erbringen oder schon außer Betrieb gesetzt wurden.

 

Auf diese Referenzanlagen weist Soltecture auch nach wie vor auf der eigenen Homepage hin.

 

Entsprechend ist davon auszugehen, dass Juwi zu den Vertriebspartnern Soltectures zählte.

Krannich Solar

Krannich Solar Seminar: Programmablauf, 9.10.2009
Krannich Solar Seminar: Programmablauf, 9.10.2009

Krannich Solar gehörte zu den frühen und wichtigsten Vertriebspartnern Soltectures. Im Juli 2013 bestätigte der ehemalige Geschäftsführer Soltectures Meyer in einem Interview die Partnerschaft mit Krannich Solar "auch in der Entwicklung der Produkte".

 

Auf der Krannich Solar Homepage waren einige Vertriebsunterlagen über Sulfurcell Produkte abrufbar. Zu den relevanten Unterlagen, die im Sommer 2012 von der Internetseite entfernt wurden, gehört auch das nebenstehende Programm eines von Krannich organisierten Seminars am 9.10.2009. Demnach zählte zu den Referenten auch die Marketingleiterin Silke-Kirsten Bosse, die Sulfurcell 2010 verlassen hat.

 

Zu den Vertriebsunterlagen gehörten auch Datenblätter in spanischer Sprache, was darauf hin deutet, dass die Sulfurcell Module von Krannich auch in Spanien vermarktet worden sind.

Imagebroschüre Sulfurcell 2009: Krannich Solar
Imagebroschüre Sulfurcell 2009: Krannich Solar

Kurt Krannich, der Geschäftsführer der Krannich Solar GmbH & Co. KG, bescheinigte den Modulen Sulfurcells 2009 in einer ersten Ausgabe einer Imagebroschüre unter anderem höchste Qualität. In weiteren Ausgaben der Broschüre war die nebenstehende Aussage des damaligen Vertriebspartners nicht mehr enthalten. Es ist davon auszugehen, dass die Vertriebspartnerschaft zwischen Soltecture und IBC Solar spätestens 2010 gelöst worden ist.

 

Krannich wurde erstmals am 15.7.2011 kontaktiert und um einige Auskünfte gebeten. Das Schreiben blieb jedoch ebenso unbeantwortet wie ein zweiter Brief vom 18.5.2013.

7.7.2013 / Letzte Änderung: 31.10.2013

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Typologie der Herstellungsverfahren für Solarmodule

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